Körperpsychotherapie

Der biologische Körper ist die Grundlage der persönlichen Existenz. Ohne Körper gäbe es kein psychisches Erleben. Vom ersten Moment an lernen wir die Welt und uns selbst durch körperlichen Kontakt kennen. Diese körperlichen Erfahrungen bilden den Grundstock allen psychischen Erlebens. Gerade die allerfrühesten körperlichen Erfahrungen formen unsere Haltungen zur Welt und gestalten gleichzeitig die Grundzüge unseres Selbst. Auch die weiteren Entwicklungen, die wir im Laufe der Zeit meistern, finden immer durch und mit dem Körper statt. So kommt es, dass alle psychischen Erfahrungen auch einen körperlichen Aspekt aufweisen. Die Körperpsychotherapie erforscht seit über einhundert Jahren die Wege, die diese Entwicklungen einschlagen können.

Psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen haben oft einen langen Vorlauf. Sie mögen erst im höheren Lebensalter auftreten, aber ihre Wurzeln reichen meist weit zurück bis in die allerfrüheste Lebenszeit. Babys, Kleinkinder und Kinder sind auf körperliche Versorgung angewiesen. Sie brauchen Halt, Nahrung und Schutz und sie brauchen auch Anregung, Spiegelung und Resonanz, damit sich ihr Selbsterleben entfalten kann. Die Erfahrungen dieser Zeit wirken besonders stark auf die Entwicklung der späteren Persönlichkeit. Die Qualität und Güte der Versorgung zählen hierbei mehr als die Art und Menge der Versorgungsgüter. Die erlebten Freuden und Ärgernisse, die lustvollen und ängstigenden Geschichten der Kindheit formen die Erwartungen an sich selbst, die Welt und die Anderen. Das Auftreten von Depressionen, Ängsten oder Zwängen hat häufig eine Vorgeschichte, die in den Nöten dieser frühen Lebenszeit wurzelt. Dass Körperpsychotherapie ein geeigneter Behandlungsansatz ist, ist inzwischen populär geworden.

Körper und Gefühl

Menschen haben Gefühle, die ihnen helfen, sich zurechtzufinden. Unsere Gefühle zeigen uns, ob wir angezogen oder abgestoßen werden und allgemeiner, wie wir etwas finden. Damit sind Gefühle eine wichtige Informationsquelle, die uns bei unserer Orientierung unterstützt. Gefühle haben typische körperliche Ausdrucksformen in der Mimik und der Körperhaltung. Diese mimisch-gestische „Sprache“ wird auf der ganzen Welt von anderen Menschen verstanden. Wir mussten als Kinder lernen, mit unseren Gefühlen umzugehen, also die richtigen Bezeichnungen für sie zu erlernen, ihre Wahrnehmung im Körper zu identifizieren und ihren Ausdruck zu regulieren. Dieser Lernprozess kann unvollständig oder verzerrt verlaufen sein. Dann haben wir nicht selten schlechte Gefühle über situative Gefühle, wir schämen uns z.B, wenn wir traurig oder wütend werden. Dann haben wir auch gelernt, Gefühle so weit zu unterdrücken, dass uns die Gefühle eher im Weg stehen, als dass sie uns hilfreich sind.

Körper und Sprache

Nicht alles, was wir erlebt haben, hat den Weg in die Sprache gefunden. Ein großer Teil unserer Erfahrungen ist ohne Worte, teils weil wir sie gemacht haben, bevor wir sprechen konnten, teils weil wir nie Worte dafür gefunden haben. Die persönliche Geschichte, mit der wir uns selbst beschreiben und begreifen können, bleibt dann unvollständig und unplausibel. So kann es kommen, dass wir handeln und uns nicht erklären können, warum oder wozu wir so gehandelt haben. Etwas hat uns „geritten“, wie waren „außer uns“ und können uns danach selbst „nicht begreifen“. Es ist unser „Körper-Selbst“, unsere verkörperten Erinnerungen, die aktiv geworden sind. Sie erscheinen unserem bewussten Selbst als fremd und wir können uns nicht mit ihnen identifizieren.

Im therapeutischen Prozess können die passenden Worte gesucht und gefunden werden. Mithilfe dieser „Mentalisierung“ wird es möglich, die Sprache des Körpers zu verstehen und sich von seinen Botschaften inspirieren zu lassen. Die Körperpsychotherapie verfügt über kraftvolle Methoden, passende Worte für bisher ungesagtes zu finden.

Körper und Beziehung

So wie wir alle Erfahrungen mit und durch den Körper machen, so sind auch alle Erfahrungen in Beziehungen eingebettet. Beziehungen zu mehr oder weniger wichtigen Mitmenschen, zu den Dingen, die um uns herum sind und zu geheimnisvollen Mächten, die unser Da-Sein ermöglichen – das Leben, die Natur und vielleicht eine Art Gott. Bereits das Wort „Beziehung“ drückt eine körperliche Aktion aus. Wir fühlen uns von etwas oder jemandem angezogen oder abgestoßen, von einem Ereignis ergriffen oder gelähmt. Wann immer wir in Beziehung treten, assoziieren wir auch körperlich dazu. Die körperlichen Assoziationen beruhen wiederum auf Vorerfahrungen, die wir in ähnlichen Situationen gemacht haben. Sie legen uns Bedeutungen der Situation nahe, geben uns einen Handlungsimpuls und liefern uns Erklärungen für das, was gerade geschieht. Das ist mit ein Grund dafür, dass es mitunter so schwierig ist, neue Erfahrungen zu machen. Die Körperpsychotherapie verfügt über ausgefeilte Konzepte, wie ein Beziehung heilsame Wirkung entfalten kann.

Körper und Psychotherapie

Kein Mensch hängt seinen Körper an die Garderobe und schickt dann seine Psyche in den Behandlungsraum. Menschen sind Beziehungswesen, die körperlich, emotional und geistig in Beziehungen eintreten. Bezogen-Sein erfasst immer den ganzen Menschen in all seinen Aspekten. Wenn die Biografie mit schwierigen Erfahrungen belastet ist, kann es schwerfallen, sich auf Beziehungen einzulassen. Die psychotherapeutische Beziehung hat persönlich-professionellen Charakter. Als Therapeut begegne ich meinen Klient*innen mitmenschlich vor dem Hintergrund meiner psychotherapeutischen Fähigkeiten. Im Verlauf der therapeutischen Arbeit können die biografischen Themen kognitiv, emotional und körperlich in dieser Beziehung neu erlebt werden. Diese Erfahrungen führen zu neuen Perspektiven auf sich selbst, die Anderen und die Welt.