Die Psychosomatik erkundet „Resonanz und Natur“

in Resonanz mit der Natur

„Mensch und Natur in Resonanz: Umweltzerstörung und menschliche Gesundheit“ Bericht vom Kolloquium „Seele – Körper – Geist“ der Psychosomatischen Klinik Freiburg, Vortrag von: Joachim Bauer, Univ. Prof. Dr. med. (Berlin), Emeritus Univ. Freiburg; Gastprofessor Intern. Psychoanalytic University IPU Berlin

Herr Bauer ist nur virtuell zurück an seiner alten Wirkungsstätte – er drückt die Hoffnung aus, im nächsten Semester wieder leiblich im Audimax anwesend sein zu können. Wir erfahren in der Einführung, dass er wieder einmal dabei ist, ein neues Buch zu schreiben. Was wir heute hören werden, ist aus dem Inhalt dieses neuen Werks. Es geht um Resonanz, um die Frage, ob es eine Resonanz zwischen Mensch und Natur geben kann, sowie darum, was zu tun ist, um die gestörte Resonanz zwischen Mensch und Natur wiederherzustellen.

Resonanz

Zunächst erläutert Herr Bauer kurz den Begriff der Resonanz. Das physikalische Phänomen ist wohlbekannt – man nehme zwei Gitarren, stimme sie gleich und zupfe nun an der einen Gitarre kräftig eine Saite. Dann klemmt man diese Saite ab und lausche an der anderen Gitarre an der entsprechenden Saite und kann dort ihre Schwingung hören. Im Gegensatz zum Echo sind bei der Resonanz immer zwei Seiten beteiligt. Eine Seite überträgt den Schall auf die andere.
Nun kommt er zum entsprechenden Phänomen beim Menschen. Hier findet so etwas wie eine Gefühlsübertragung statt bzw. kann sie stattfinden. Diese lässt sich auf zwei Wegen darstellen. Zum einen gibt es das System der Spiegelneuronen, die uns wissen lassen, wie sich eine bestimmte Körperhaltung anfühlt. Es ist gewissermaßen eine Intuition, die sich durch Körpersprache vermittelt. Zusätzlich können wir über den anderen Menschen reflektieren. Dies geschieht durch das neuronale „Selbstsystem“, ein Nervengeflecht, das sich hinter der Stirn befindet. In ihm sind alle biografischen Informationen, die mit uns selbst zu tun haben, mit den Informationen, die wir von anderen über uns Selbst erhalten haben, verknüpft.
Diese Organisation ermöglicht es uns, andere Menschen empathisch wahrnehmen zu können. Menschen sind offensichtlich darauf angewiesen, wahrgenommen zu werden, in Resonanz miteinander zu kommen. Resonanzverlust, wie es z.B. in einer Mobbing Situation der Fall ist, ist sehr schwerwiegend für die Betroffenen.
Dies ist auch ein Aspekt der aktuellen Corona Situation. Nicht nur, dass wir von einem fiesen Virus bedroht werden, sondern auch noch, dass wir zur Virusabwehr Kontakte herunterfahren müssen. Beides kann als sehr belastend erlebt werden. Der Vortragende vermutet, dass Corona auch dem Resonanzverlust mit der Natur geschuldet ist – das Schrumpfen von natürlichen Lebensräumen führt zu mehr Nähe zwischen Tieren und Menschen und erhöht so die Gefahr, das Erreger die Gattungsgrenzen überwinden können.

Gibt es eine Resonanz zwischen Mensch und Natur?

Herr Bauer hat wie immer zahlreiche Studien recherchiert, damit er solide Auskünfte geben kann. Und tatsächlich gibt es zahlreiche Forschungsergebnisse zu der gestellten Frage. Zunächst einmal von der Seite des Menschen her – können Menschen sich resonant auf die Natur bzw. auf Tiere oder gar Pflanzen einlassen? Ja sie können es, hat eine dieser Studien herausgefunden. Die Intensität, mit der das möglich ist, hängt vom Abstand der evolutionären Entwicklung ab. Primaten, die uns in dieser Entwicklung sehr nahestehen, können meist gut resonant wahrgenommen werden. Tiere, die weiter entfernt sind, z.B. Hunde, Igel oder Seesterne schon weniger. Und, es ist sogar möglich, mit Pflanzen in Resonanz zu gehen – wer stand noch nie staunend und ehrfürchtig vor einem alten Baum?
Ein Lieblingsautor von Joachim Bauer ist Charles Darwin. Der schrieb 1871 folgenden bemerkenswerten Satz: „Empathie, über die Grenzen der menschlichen Spezies hinaus, d.h. Menschlichkeit gegenüber niederen Lebewesen, ist eine der edelsten Tugenden, mit der Menschen ausgestattet sind.“

Resonanz mit der ganzen Natur?

Auch zur Frage, ob es möglich ist, mit der Natur in ihrer Ganzheit in Resonanz zu gehen, gibt es Forschungsergebnisse. Dort wurden Menschen zu ihren Erfahrungen in der Natur befragt und es wurde von einem sog. „AW“ (ich bin mir nicht sicher, ob man das so schreibt) Effekt berichtet. Es ist der Ausdruck von Staunen und Ehrfurcht, die wir empfinden, wenn wir durch eindrückliche Naturlandschaften wandeln – eine Schlucht, ein Gebirge, eine weite Landschaft. Dieses Staunen kann man als Resonanz verstehen.

Resonanz von Lebewesen mit Menschen

Aber kann auch die Natur mit dem Menschen in Resonanz gehen? Diese Frage sei wesentlich schwieriger zu beantworten, stellt Herr Bauer voran. Es gibt dazu Forschungen mit Delfinen, die diese Frage bejahen und Herr Bauer steuert noch ein persönliches Erlebnis dazu bei. Ein anderer bekannter Bereich von Resonanz, die von Tieren gezeigt wird, wären Therapiehunde, die sehr feinfühlig den emotionalen Zustand ihrer Klient*innen wahrnehmen und beantworten.

Resonanz der Gesamtnatur mit Menschen

Aber wie ist es mit der Natur in ihrer Gesamtheit. Das ist problematisch, denn die Natur ist nicht zentral von einem Akteur organisiert, sie besitzt keine Selbstreferenz, sondern ist ein Netzwerk von Systemen, die durch Hierarchien, Rückkoppelungsschleifen, Rhythmen und Polaritäten (selbst)organisiert ist. Auch der Mensch ist ein Kind der Natur – seit etwa 200.000 Jahren in der heutigen Gestalt, und mit diesen Fähigkeiten lebte er überwiegend im Jäger- und Sammlermodus. Doch dann wurden Menschen vor etwa 12.000 Jahren sesshaft und die Landwirtschaft begann ihren Siegeszug.
Neben allen Verdiensten, die dieser zivilisatorische Prozess erbracht hat, machen sich heutzutage auch seine Lasten bemerkbar. Die Resonanz zur Natur entwickelt sich mehr und mehr zur Dissonanz. Der Mensch entfremdet sich zunehmend von der Natur. In seinem unermüdlichen Arbeitseinsatz für seinen Lebensunterhalt vergisst er, dass es letztlich die Natur ist, die uns die Erträge schenkt – die Arbeit alleine kann es nicht richten.
Heute leben wir im Zeitalter der „großen Beschleunigung“ – exponentielles Wachstum von Waldverlust, Verlust von Trinkwasser, verschmutzter Luft, vermehrtem Kohlendioxid in der Luft …

Was können wir zur Wiederherstellung der Resonanz tun?

Herr Bauer schickt voraus, dass er uns nicht mit erhobenem Zeigefinger belehren will. Viel mehr möchte er uns inspirieren, indem er uns die positiven Potenziale eines anderen Lebensstils aufzeigt. Dazu nutzt er wieder eine ganze Reihe von Studien, die teilweise in internationalen Top-Magazinen abgedruckt sind. Ich begnüge mich hier damit, die Ergebnisse aufzulisten.
Menschen, die sich viel in der Natur aufhalten, z.B. Waldarbeiter, sind statistisch betrachtet eindeutig prosozialer, als reine Stadtmenschen.
Zwei bis vier Stunden Waldbaden pro Woche vermindert depressive Symptome.
Menschen, deren Wohnungen näher bei Bäumen liegen, verbrauchen deutlich weniger Anti-Depressiva.
Die Lebenszufriedenheit von Menschen, in deren Umgebung viele verschiedenartige Vögel nisten, ist deutlich höher, als in stillen Gegenden.
Ganz aktuell zur Bewältigung von Lockdown Maßnahmen: Bereits ein Blick aus der Wohnung auf etwas Grünes vermindert depressive Symptome.
Und wenn zwei Gruppen verglichen werden, von denen eine die Natur kontrollieren möchte und die andere mit der Natur in Harmonie leben möchte, dann stellt sich heraus, dass letztere deutlich besser mit allen Corona Folgen fertig werden.

Was also tun?

Was könnten wir tun, bzw. lassen, um zu mehr Harmonie und Resonanz zu kommen? Weniger Auto fahren ist dabei immer im Gespräch und die Folge davon wäre, dass der Umstieg aufs Fahrrad die Sterblichkeit um 20% vermindern wird. Dies wurde über einen Zeitraum von 25 Jahren ermittelt. Klimaschutz tut auch der eigenen Gesundheit gut!

Ein anderer Aspekt wäre der Fleischkonsum, der immerhin 30% der Treibhausgase beisteuert. Auch hier gibt es eindeutige Bezüge zu Gesundheit und Lebenserwartung. Denn gerade exzessive Fleischesser*innen werden deutlich häufiger von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einigen Krebsarten heimgesucht, als andere.

Zum Abschluss appelliert Herr Bauer an uns, wieder mit „Gaia“ in Resonanz zu treten – hedonischen Verzicht für ein gutes Leben zu üben.

Wären wir im Audimax gewesen, der Beifall für den Vortrag wäre wohl gewaltig gewesen.
Zum Nachhören gibt es hier einen Link

Die Psychosomatik erkundet „Psychische Krankheit“

Was ist eine psychische Krankheit?

Kontroversen um den Begriff >Psychische Krankheit< Bericht vom Kolloquium „Seele – Körper – Geist“ der Psychosomatischen Klinik Freiburg, Vortrag von: Andreas Heinz, Prof. Dr. med. Dr. phil., Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Berlin

Einleitung

Zu Beginn erfahren wir etwas über die Kontroverse um den Begriff der >Psychischen Krankheit<, denn es ist für die Medizin nicht einfach, mit diesem Phänomen umzugehen. Das liegt zum einen daran, dass Mediziner sich von Hause aus eher um ein bestimmtes Krankheitsbild kümmern und nicht um so etwas, wie einen Begriff für eine ganze Klasse von Krankheiten. Herr Heinz schickt auch voraus, dass seine Betrachtungen natürlich kritisiert werden können, dass er nur eine von vielen möglichen Positionen bezieht.

Zum Begriff der Gesundheit

Gesundheit wird in der Definition der WHO als umfassendes Wohlbefinden verstanden. Herr Heinz ist der Ansicht, dass Gesundheit, auch psychische Gesundheit nicht als Abwesenheit von Krankheit verstanden werden kann. Sein Beispiel sind Wächter in einem KZ, von denen einer depressiv wird und der andere nicht. Welcher von beiden ist nun krank? Also bietet uns der Vortragende eine positive Definition an: Psychisch gesund ist, wer handlungsfähig ist, Selbstvertrauen hat und zur Empathie fähig ist.
Aber natürlich gibt es auch andere Ansätze, um Krankheit von Gesundheit unterscheiden zu können. Da wäre zunächst das >sozial angepasste Verhalten<, wobei einem schnell die Politik von totalitären Staaten einfällt. Dort wird den Dissident*innen gerne ihre geistige Gesundheit abgesprochen und werden dann unter diesem Vorwand einsperrt. Es wird auch versucht, über >organische Normabweichung< eine Unterscheidung zu treffen. Das stößt allerdings auf das Problem, dass Menschen höchst variabel in ihren Erscheinungsformen sind. Davon können uns auch die neuesten bildgebenden Verfahren nicht erlösen Ein weiterer Ansatz wäre es, >statistische Normabweichungen< heranzuziehen. Dabei stößt man dann auf den Begriff des „Normalen“, der bei genauerer Betrachtung ziemlich schwierig wird. Am Beispiel „Karies“ wird leicht deutlich, dass sie in dem Sinn normal ist, dass viele Menschen davon betroffen sind, die Karies aber eindeutig eine Zahnkrankheit darstellt. Herr Heinz schlägt vor, die funktionellen Auswirkungen als Maßstab zu nehmen und nicht das, was ‘normalerweise‘ sein sollte.

Krankheit

Nun betrachtet Herr Heinz das Verständnis von Krankheit und stellt uns zunächst ein lebensweltliches Verständnis von ihr vor. Darin geht es um Leiden und Beeinträchtigung, oder gar ein Übel, das ein Leiden ohne aufrechterhaltende äußere Ursachen darstellt. Darin sind wesentliche Funktionen behindert, das Sterberisiko mag erhöht sein und die Lebensfreude wurde verloren.Diese Betrachtung hat den Mangel, dass sie normativ lebensweltliche Begriffe mit wissenschaftlich-medizinischen Termini vermischt, also letztlich unklar bleibt.

Dann könnte Krankheit auch als wesentliche Funktionsstörung eines Organs betrachtet werden. Das wäre eine Störung, die das Überleben und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigte. Auch dafür gälte eine Abweichung von einer statistischen Norm.
Hier kritisiert Herr Heinz die Biologisierung von Normen mit dem Verweis auf die Homosexualität, die nach dieser Definition eine Krankheit darstellen würde. Hinzu kommt, dass es schwerlich eine Einigungsmöglichkeit darüber geben wird, welche Funktionen denn tatsächlich wesentlich sind.

Psychiatrie

Herr Heinz ist Psychiater, der angehende Psychiater ausbildet. Er vermittelt ihnen einen sog. „vereinfachten psychopathologischen Befund“ zum Ausschluss psychiatrischer Erkrankungen.

Wenn die Patient*innen wach und orientiert sind und dazu noch über ihre Auffassungsgabe verfügen, lässt sich ein hirnorganisches Syndrom ausschließen.

Wenn die Patient*innen dazu noch konzentrations- und merkfähig sind und auch auf ihr Gedächtnis zugreifen können, kann ein „Chronisches Hirnorganisches Syndrom“ (z.B. Demenz) ausgeschlossen werden.

Nun prüft Herr Heinz die Denkabläufe auf ihre formale Kohärenz, ihre Inhalte auf Anzeichen von Wahnerleben, ihre Verbindung zum Ich und das Vorliegen von Halluzinationen.
Bei einem negativen Befund kann nun auch die „Schizophrene Episode“ ausgeschlossen werden.

Zuletzt wird noch nach der Stimmung, dem Antrieb und dem Schlaf gefragt. Hier besagt der negative Befund, dass auch keine affektive Störung vorliegt.

Woher kommt aber dieses Vorgehen, diese Einteilung der psychischen Erkrankungen? Sie sind gewissermaßen ein Klassiker der Psychiatrie und beziehen sich auf eben die „Exogenen Psychosen“ und „Endogenen Psychosen“ zu denen nun auch „Variationen“ hinzukommen. Krankheiten, die sich in diesem Raster wiederfinden sind klinisch relevante Krankheiten.

Eine andere Sichtweise

Zum Abschluss dieses Abschnitts bietet uns Herr Heinz ein Diagramm an, das drei Kreise zeigt, die sich teilweise überlappen. Die Kreise symbolisieren die Krankheit, als medizinisch relevante Funktionsstörung verstanden, das subjektive Leiden und die Beeinträchtigung sozialer Teilhabe. Das Diagramm vermittelt, dass es eben nicht so einfach ist, eine Krankheit an nur einem Befund festzumachen, bzw. sie nur in einem Kontext zu betrachten. Als anschauliches Beispiel hören wir die Geschichte des psychotischen Patienten, der seinem Arzt sagt, dass er auf keinen Fall die Stimmen in seinem Kopf wegmachen soll. Sie geben ihm immer gute Tipps beim Aktienkauf.

Sozialer Kontext

Menschen und ihre Krankheiten sind immer in sozialen Kontexten eingebunden, von denen einige historisch-kultureller Natur und andere aktueller Natur sind. Herr Heinz führt uns auf eine Reise, die bis ins 19te Jahrhundert und weiter zurückführt. In dieser Zeit war die Evolutionstheorie eine große Inspiration. Sie wurde als höherstrebende Entwicklung gedeutet, in der es auch zu Degenerationen kommen kann. Natürlich werden degenerative Prozesse durch einen „ausschweifenden“ Lebensstil begründet, der Neurosen und Alkoholismus, dann geistige Störungen und Suizidneigung bis hin zu Schwachsinn und Missbildungen (bei den Nachkommen) führen kann.
Diese Theorie wurde dann auch noch rassistisch aufgeladen, bzw. mit biblisch religiösen Vorstellungen vermischt. Davon zeugt noch der Begriff des „Kaukasiers“, mit dem wir uns mitunter selbst bezeichnen.
Die Höherentwicklung wurde dann auch auf die Psyche des Menschen angewendet. Das nahm die Form an, dass die Rationalität, bzw. die Vernunft eben höher stehe als die Emotionalität. Dass degenerative Prozesse dazu führen können, dass die höheren Funktionen die niedrigeren nicht mehr hemmen können und so zu Positivsymptomen führen.
Herr Heinz weist uns darauf hin, dass dieses Verständnis auch heute noch am Wirken ist, wenn z.B. festgestellt wird, dass der Präfrontale Cortex die Amygdala nicht steuern kann.
Mit einem letzten Ausflug in die Kolonialzeit und das dritte Reich zeigt uns der Vortragende auf, was für fatale Folgen, diese Theorien auf sog. minderwertige Menschen gehabt hat.

Aktuelle Forschungen

Neuere Forschungen suchen auch im sozialen Umfeld nach Einflüssen auf psychische Krankheiten. Wir bekommen eine Auswahl präsentiert, die belegen kann, dass Einkommensungleichheit, Einkommen überhaupt, Arbeitslosigkeit, Armut, Diskriminierung, Isolation und Quarantäne psychische Erkrankungen wahrscheinlicher machen.
Auch in den Psychiatrien wird geforscht und hier ist das Ergebnis, dass offenen Türen in den Stationen für deutlich weniger Gewalt, Medikamente und Konflikte sorgen.
Zuguterletzt noch ein Ergebnis aus der Resilienzforschung, das besagt, dass Selbstwirksamkeit und Extraversion offenbar sehr hilfreich im Umgang mit schwierigen Situationen sind.
Herr Heinz teil noch mit, dass er an „Trialogen“ teilnimmt, sie sogar selbst initiiert. Dabei geht es darum, dass die Professionellen mit den Angehörigen und den Betroffenen gemeinsam darüber beraten, was gut und hilfreich sein kann.
Ein knapper und lehrreicher Vortrag, den Sie sich hier ansehen können

Professionalität von Körperpsychotherapie

Die Situation der Körperpsychotherapie

Methoden und Schulen der Körperpsychotherapie bzw. der Körperorientierten Psychotherapie sind in vielen Ländern Europas und der Welt ein Bestandteil der psychotherapeutischen Grundversorgung. In Deutschland führen sie leider ein Nischendasein. Dem deutschen Fachverband ist es leider noch nicht gelungen, die Zulassungsbehörden davon zu überzeugen, dass die KPT eine wissenschaftlich fundierte und wirkungsvolle Methode ist. Manchmal endet die wissenschaftliche Erkenntnis offenbar an einer Landesgrenze.

EABP und DGK

Die EABP – „Europäische Assoziation für Körperpsychotherapie“ ist ein Dachverband verschiedener nationaler Fachverbände für KPT. Für Deutschland ist das die DGK – „Deutsche Gesellschaft für Körperpsychotherapie“. Innerhalb des Dachverbandes sind verschiedene Ausbildungsinstitute versammelt, die den anspruchsvollen Kriterien der EABP genügen.

Ziele der EABP

Die EABP ist ihrerseits Mitglied der EAP – „Europäische Assoziation für Psychotherapie“. Die EAP umfasst auch nahezu alle anderen psychotherapeutischen Methoden und strebt danach, dass die Psychotherapie ein eigenständiges und spezifisches Berufsbild wird. Das heißt, dass Medizin oder Psychologie zunächst keine Befähigung zur Psychotherapie vermitteln, sondern dass es dazu einer speziellen psychotherapeutischen Ausbildung bedarf. Die EAP hat dazu Ausbildungsrichtlinien verfasst.

Zertifikat

Die Fachverbände bieten Richtlinien für die Ausbildung, Berufsausübung und Berufsethik ihrer Mitglieder. Sie organisieren Fachtagungen und Konferenzen und vertreten ihre Mitlieder gegenüber Zulassungsbehörden. Weiter stehen sie auch als Vermittler bei möglichen Konflikten zur Verfügung. Turnusmäßig zertifizieren sie ihren Mitgliedern, dass diese den professionellen Richtlinien des Verbands gerecht werden.

Psychotherapie für Freiberufler und Studenten

Freiberufler*innen und Selbstständige unterliegen oft besonderen beruflichen Belastungen. Zeitaufwand und Einsatz lassen sich nicht gut planen und der Beruf dringt mitunter tief in die Privatsphäre ein. Diese Belastung kann, besonders bei Rückschlägen oder ausbleibendem Erfolg, zu schwierigen Gemütslagen führen, die sich evtl. zu einer depressiven Verstimmung vertiefen.
Alle Statistiken weisen darauf hin, dass Depressionen, das Burn-out Syndrom und andere psychische Erkrankungen ein ständig anwachsendes Phänomen darstellen. Dadurch ist die Grundversorgung durch Psychotherapeut*innen in einigen städtischen Räumen nur noch notdürftig und z. T. nur mit erheblichen Wartezeiten gewährleistet.

Privat versichert – ein Vorteil?


Selbstständige und Freiberufler*innen sind häufig privat krankenversichert. Das heißt zunächst, dass sie es leichter haben, einen freien Therapieplatz zu bekommen. Was allerdings die wenigsten wissen, ist, dass damit auch ein gewisses Zukunftsrisiko verbunden ist. Dieses besteht darin, dass sie bei einem Kassenwechsel entweder von der neuen Kasse gar nicht mehr aufgenommen werden oder einen erheblichen Risikozuschlag dafür bezahlen müssten. Eine kassenbezahlte Psychotherapie ist in der Krankenakte niedergelegt.
Es erscheint ein wenig verrückt – Menschen, die sich um ihre Gesundheit kümmern, werden von den Krankenkassen dafür bestraft! Auch wenn erwiesen ist, dass Menschen, die erfolgreich eine Psychotherapie abgeschlossen haben, eine messbar gesündere und zufriedenere Zukunft vor sich haben.

Diese Problematik kann natürlich auch Student*innen betreffen, für die noch ein weiteres Risiko problematisch werden kann. Falls sie nämlich eine Beamt*innen Laufbahn einschlagen möchten, habe sie nach einer „Kassentherapie“ damit evtl. Probleme.
Die Entscheidung, sich auf eine Psychotherapie einzulassen, fällt wohl den wenigsten Menschen leicht.

Psychotherapie als Makel

Immer noch sind seelische Erkrankungen mit zahlreichen Vorurteilen und Ängsten belastet. Viele Betroffene versuchen es ohne Therapie und riskieren dabei Zusatzbelastungen wie Alkohol-, Sport-, Spiel- Sex- oder Medikamentensucht. Das Leiden vertieft sich und der Weg in eine Therapie erscheint immer schwieriger. Die allerwenigsten psychischen Erkrankungen erledigen sich aber von selbst.
Wenn sich ein Mensch nach vielen inneren Kämpfen dann doch zu einer Therapie entschließt, sucht er/sie natürlich zunächst die dafür zuständigen Institutionen auf – Ärzt*innen, Kliniken, Psychiater*innen, Psychologische Psychotherapeut*innen. Hier wissen wenige Betroffene, dass es auch alternative Angebote gibt. Es gibt zahlreiche hochprofessionelle Psychotherapeut*innen, die auch in Berufsorganisationen gelistet sind, die aber keine Kassenzulassung besitzen.

Wer macht Psychotherapie ohne Kassenzulassung?

Der Grund dafür ist das deutsche Psychotherapiegesetz, das nur ganz bestimmte Methoden als wissenschaftlich anerkennt, für die die Kassen auch bereit sind zu bezahlen. Die wissenschaftliche Anerkennung endet an der Landesgrenze und zahlreiche Methoden sind in anderen Ländern durchaus wissenschaftlich anerkannt und besitzen dort sogar eine Kassenzulassung.
Ebenfalls wenig bekannt ist der Umstand, dass Psychotherapien unabhängig vom angewandten Verfahren wirksam sind. Es gibt nach dem derzeitigen Stand der Psychotherapieforschung keine messbaren Unterschiede zwischen kassenanerkannten und nicht anerkannten Therapiemethoden.
Es sprechen also gute Gründe dafür, eine selbst bezahlte Psychotherapie in Erwägung zu ziehen.


• Die Wartezeit auf einen Therapieplatz ist in der Regel kurz
• Die Auswahl an möglichen Therapeut*innen ist sehr viel größer
• Die Behandlung wird nicht in die offizielle Krankengeschichte aufgenommen

Wie gesagt, die Qualität der Therapie ist gleichwertig, falls der/die Therapeut*in Mitglied eines Fachverbandes ist, der auf geregelte und umfangreiche Ausbildung und Supervision achtet.
Der finanzielle Aufwand einer PT ist nicht unerheblich, aber auf keinen Fall unermesslich. Eine gelungene Psychotherapie ist ihr Geld unbedingt wert, denn wenn die Seele leidet, ist das Leben allzu schwer.

Ein Körper in der Psychotherapie?

Körperorientierte Psychotherapie kann auf eine recht lange Geschichte zurückblicken. In ihrer modernen Form schlug sie als „Seitentrieb“ der Psychoanalyse aus. Dies geschah bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Von da an verzweigte sie sich dann rasch in verschiedene Seitenäste, die großteils noch heute Bestand haben.

Die wilden Anfangsjahre

In den wilden Achtundsechzigern erfreuten sich die energetischen Übungen und die Betonung des emotionalen Ausdrucks besonders großer Beliebtheit. Dies richtete sich auch und gerade gegen die als patriarchal und autoritär angesehene Psychoanalyse.Danach beruhigte sich die „Körperszene“ etwas und etliche einzelne Schulen begannen sich als „quasi hermetische Verfahren“ gegeneinander abzugrenzen. Ein Umstand, der die ohnehin geringe Anerkennung durch den psychotherapeutischen Mainstream noch vertiefte.Die Hypothesen und Modelle der meisten Schulen beriefen sich auf klinische Erfahrungen, Einzelfallstudien und tiefenpsychologische Theorien. Diese wurden oft angereichert um energetische Vorstellungen aus der indischen Tradition. Das lag an der Energie Metapher, die mit der KPT kompatibel erschienen. Leider klang (und klingt) das einfach wenig seriös.

Neue Entwicklungen

Erst als gegen Ende des letzten Jahrhunderts aus den Einsichten, die aus der Baby- und Kleinkindforschung und der Bindungstheorie gewonnen wurden, als auch verschiedene neue neurologische Kenntnisse erreicht wurden, gewann die KPT wieder etwas mehr Renommee. Auch die verschiedenen Schulen hatten sich wieder einander zugewandt und tauschten sich mehr über ihre Erkenntnisse, Techniken und Prinzipien aus. In Deutschland gründete sich die „Deutsche Gesellschaft für Körperpsychotherapie“.

Ohne Körper keine Psyche


Was hat es nun auf sich mit dem Körper in der Psychotherapie? Zunächst einmal gilt es festzustellen, dass wir so etwas wie psychisches Erleben ohne einen Körper gar nicht haben könnten. Die körperliche Existenz und deren reale biologischen Prozesse stellen die Grundlage von allen höheren Funktionen der Psyche dar. Das gilt gleichermaßen für die sog. normalen/gesunden bist zu den sog. kranken Erscheinungen.
Der ganze Prozess der psychischen Funktionen, einschließlich der „bewusst“ genannten, ist immer ein Dreiklang von körperlicher Organisation, emotionaler Bewertung und kognitiver Benennung. Man könnte auch sagen, dass, wenn zwischen diesen drei Aspekten ein Missklang entsteht, so etwas wie ein Symptom beobachtbar ist, bzw. erlebt wird.
Die Geschichte dieser psychischen Organisation ist die Biografie eines Menschen und zwar ab dem Beginn der körperlichen Existenz. Bereits im Mutterleib und noch mehr in der vorsprachlichen Zeit der Bindungsprägung sprießen die zarten Wurzeln dessen, was wir später psychisches Erleben nennen, die Grundlagen unseres Selbst- und Welterlebens. Das ist die Geschichte, die wir uns und anderen darüber erzählen, wer und wie wir sind. Auf diesen Grundlagen verläuft der Weg, der weiteren Entwicklungs- und Reifungsschritte bis zum Erwachsen-Sein.

Besondere Qualität der KPT


Es hat sich herausgestellt, dass zahlreiche Hypothesen der „älteren“ KPT zutreffend sind und sich heute empirisch gut belegen lassen.
Die ersten Stufen der psychischen Entwicklung sind vorsprachlich, aber in Handlungs- und Beziehungsroutinen durchaus noch erreichbar. Genau hier liegen die besonderen Möglichkeiten von körperorientierter Psychotherapie. Mit ihnen kann das Erleben und die Erfahrungen dieser Zeit erreicht werden und in der therapeutischen Beziehung, können neue Lernerfahrungen entstehen.
Dadurch wird die KPT nicht zur „Wundermethode“. Was sie zur Verfügung stellen kann, ist ein tiefes Verständnis der vorsprachlichen Entwicklungen. Diese sind häufig ein Anlass für spätere Störungen. Allerdings haben die Betroffenen bereits ihren Umgang damit gefunden und das alleinige Wissen um z.B. einen beeinträchtigten Berührungsdialog führt noch nicht automatisch zu einer Verbesserung des Befindens.
Deshalb sind die Verfahren der Körperpsychotherapie in aller Regel Langzeittherapien. Auch damit entsprechen sie dem Stand der aktuellen Psychotherapieforschung, die unter anderem zur Erkenntnis gekommen ist, dass die Rückfallquote von kürzeren Therapien enorm hoch ist.


Eine Körperorientierte Psychotherapie ist also besonders dann geeignet, wenn Betroffene mit rein sprachlichen Methoden nicht weiterkommen. Wenn das Gefühl vorherrscht, mit dem eigenen Körper nicht zurechtzukommen. Wenn es keine Wahrnehmung der Körpersignale gibt oder diese nicht verwertbar erscheinen. KPT kann die Verbindungen zwischen Empfindungen, Gefühlen und Bewusstsein unterstützten und die biografischen Erfahrungen zu einer stimmigen Geschichte des Selbst integrieren.

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